Zeitzeugen am EMG - Schockierende Berichte von KZ-Überlebenden
"Wir hoffen, ihr müsst so etwas Schlimmes nie erleben"
Eugeniusz Sliwinski (r.) schildert schockierende Erlebnisse, die ehemalige EMGlerin Marion Szumilas (l.) übersetzt
08.04.2013 - „Es ist meine Pflicht darüber zu berichten solange ich lebe, damit so etwas nie wieder passiert.“ Eugeniusz Sliwinski ist einer von sechs Zeitzeugen, die einen Aufenthalt in einem der Konzentrationslager überlebt hatten und nun den Zehntklässlern am EMG von ihrem schrecklichen Schicksal berichteten.
Nicht jedem der Besucher fielen die Erzählungen leicht. Jerzy Wojciewski (*1926) konnte seine Tränen bei seinen Erzählungen über sein Leben, die schlechten Hygienebedingungen, seine beinahe tödlich verlaufene Magen-Darm-Krankheit, sowie sein Dahinvegetieren im Krankenlager Vaihingen/Enz nicht mehr zurückhalten. Er berichtete den beeindruckten und nicht minder schockierten Schülern über die schlechten Lebensbedingungen, das karge Essen, die harte Arbeit und die strengen Regeln, bei deren Missachtung er mit Peitschenhieben bestraft wurde.
Auch Eugeniusz Sliwinski sah sich durch seine spannenden Schilderungen über die Lagerbedingungen schockierten und bestürzten Schülern gegenüber, als er von seinem persönlichen Schicksal, den Schlägen, den Medikamententests, den Ratten und Läusen erzählte. Wie alle anderen auch beeindruckten beide durch Herzlichkeit, Offenheit, Witzigkeit und Charme.
Ebenfalls besuchten die beiden Freundinnen Maria Stroinska und Marianna Bogusz unsere Schule. Beide wurden während des Warschauer Aufstandes verhaftet. Marias Vater wurde von Deutschen erschossen, ihre Mutter am Bein verletzt. Maria war in mehreren Konzentrationslagern, u.a. in Auschwitz, arbeitete zwangsweise in einer Süßwarenfabrik. Ihre Schwester und ihr Stiefbruder wurden ebenfalls deportiert. Nach Kriegsende traf sie ihre Mutter wieder, studierte und gründete eine Familie.
Marianna hingegen wurde während des Warschauer Aufstandes mit einer Schwester zusammen am 10. August 1944 auf dem Heimweg von der Schule inhaftiert. Beide kamen in das KZ Ravensbrück-Eberswalde. Beide überlebten. Marianna erzählte von ihrem Leben dort. „ Wir mussten Hunger, Kälte und Erniedrigungen ertragen. Jeden Tag mussten wir mindestens zwölf Stunden in einer Munitionsfabrik arbeiten!“
Am 26.4.1945 die Rettung: Sie wurde befreit und vom Roten Kreuz nach Schweden gebracht. Später beendete sie in Polen ihre Schule und holte ihren Abschluss nach.
Henryk Czarnecki war auch zu Gast. Mit ruhiger Stimme berichtete er von seinem üblen Schicksal. Vor ihm lagen die gestreifte Kappe und das dreieckige Abzeichen. Die Gestapo schlug ihm bei einem Verhör die Zähne aus, vor seinen Augen wurden 160 Häftlinge am Galgen aufgehängt und am Ende der KZ-Zeit mussten Häftlinge das Fleisch von Mitgefangenen essen, da es kaum noch Lebensmittel gab. Diese Ereignisse prägen ihn bis heute.
Mikolai Sklodowski konnte nur aus Erzählungen anderer berichten, denn er wurde im Konzentrationslager Ravenbrück geboren. Dennoch waren seine Schilderungen nicht minder erschütternd, da er einer der wenigen Säuglinge war, die das KZ überlebt haben. Wog er bei der Geburt noch knapp 4 kg, war er nach einem Monat nur noch etwas mehr als 1 kg schwer. Auch als Säugling wurde er nicht besser behandelt. Im Gegenteil: Säuglinge wurden in ausgekühltem Kaffee gewaschen und bekamen nicht genug zu essen. Teilweise fehlten ihnen sogar die Nase oder die Ohren.
Ein besonderer Dank geht an unsere Lehrerin Frau Präder und an Frau Multhaupt von der Maximilian-Kolbe-Stiftung, die diesen Besuch erst möglich gemacht haben, sowie den Schülern Deborah Kascyzca, Edyta Fidut und Victoria Ziolkowski, die sich als Übersetzer engagiert haben.
Alle waren von diesem Besuch begeistert und hoffen, dass es in den kommenden Jahren wieder Besuche der Zeitzeugen geben wird.
Das Schlusswort hatten dann Maria Stroinska und Marianna Bogusz: „Wir finden es schön, so junge Leute zu sehen. Wir hoffen ihr müsst so etwas Schlimmes nie erleben. Macht einen guten Schulabschluss, wir wünschen uns nur das Beste für euch!“
Projektkurs Religion „Holocaust: Erinnerung und Verantwortung“
